Flötentöne von Camilo Parra – Monsieur Periné auf Europatour

  • Posted by Nicole Bee
  • On July 15, 2013
  • 1 Comments

Camilo ParraFrankfurter Landstraße, Darmstadt Arheilgen, endlich da! Aufgeregt springt Camilo vor dem Haus herum, in dem er vor 27 Jahren gelebt hat. Seine Eltern kamen für das Studium des Vaters von Kolumbien nach Deutschland und Camilo wurde in Darmstadt geboren. Da er nur sein erstes Lebensjahr hier verbrachte, kann er sich natürlich nicht mehr an diese Zeit erinnern, freut sich aber wie ein kleines Kind, das Haus seiner deutschen Vergangenheit zu sehen.

Camilo ist zum ersten Mal in Deutschland – er ist auf Europatour mit seiner Band Monsieur Periné, in der er seit 2007 erfolgreich Querflöte, Klarinette und Melodica spielt. Die sechs anderen Bandmitglieder sind bereits in Koblenz, wo sie heute auf dem Horizonte Festival auftreten.  Ganz Kolumbianer lässt Camilo sich nicht aus der Ruhe bringen und auch wenn es bereits später Nachmittag ist,  möchte er unbedingt noch bei Erika klingeln. Sie wohnt im gleichen Haus – Camilos und ihre Eltern kannten sich. Freudig zeigt Erika ihm ihre Wohnung, versucht sich an seine Eltern zu erinnern und in welcher Wohnung des Mehrfamilienhauses sie gelebt haben. Obwohl das Taxi vor der Tür wartet – ein Stück selbst gebackener Streuselkuchen – dafür muss die Zeit noch reichen!

Monsieur Periné steht für eine einzigartige, lebendige Fusion aus Gipsy Jazz und lateinamerikanischen Rhythmen. Eine Fusion, die sich für das Septett in ihren Jam Sessions ganz natürlich ergab. „Wir improvisierten und mischten Musikstile, die uns allen gefielen.“  So wie Bossa Nova und Jazz Manouche und natürlich dürfen hier die heimischen, tanzbaren Klänge wie Salsa oder Merengue nicht fehlen.

Ihr großes Vorbild ist Django Reinhardt. Der Auftritt auf dem gleichnamigen Festival zu seinen Ehren in Hildesheim war für Camilo und die Band ein besonderes Ereignis. „Vor diesem Publikum hatten wir den größten Respekt! Die Besucher des Festivals waren etwas älter, als bei den anderen Konzerten und vor allem spielten vor uns drei virtuose Bands! Wir hatten Angst, das Publikum könnte unsere Interpretationen als zu ausgefallen oder sogar Verschandelung der Songs empfinden.“ Das Gegenteil war der Fall!  Camilos Augen leuchten, als er von der Erinnerung des Applauses berichtet.

Überhaupt hat er sich Deutschland zuvor ganz anders vorgestellt. “Erst wenn wir beginnen zu reisen, stellen wir fest, welche Vorurteile wir Ländern und ihren Kulturen anhaften. Die Deutschen haben im Ausland das Image sehr ernste, verschlossene Menschen zu sein. Wir haben das komplette Gegenteil erlebt, seid wir hier sind! Die Leute haben mir geholfen, wenn ich den Weg zum Hotel nicht finden konnte, ich bekam Busfahrten geschenkt und wurde kostenlos auf einem Gruppenticket der Bahn mitgenommen.” schwärmt Camilo von seinen Erlebnissen. Auch die musikalische Vielfalt auf den Festivals und in Bars überraschte den immer gut gelaunten Kolumbianer. Von einer französischen Funkband über Gipsy Jazz Kombos und dem afrikanischen Jimi Hendrix (Krar Collective) und noch Vielem mehr –  all diese Stile inspirierten ihn und werden sicherlich in die kommenden Jam Sessions einfließen.

Camilos Vater brachte die Liebe für die klassische Musik aus Deutschland mit nach Kolumbien und so lernte der kleine, schmächtige Junge schon in Kindesalter Violine zu spielen. “Ich war nicht besonders gut und es hat mir auch keinen Spaß gemacht.” Danach versuchte er sich an der Gitarre mit ähnlich mäßigem Erfolg. Als Camilo 17 Jahre alt war, kaufte seine damalige Freundin eine Querflöte, die er sich gleich zueigen machte. Es war das erste Instrument, das er gar nicht mehr aus der Hand legen wollte. Camilo begann zu improvisieren und hörte verschiedenste Flötenmusik – besonders gefielen ihm die nicht so sehr klassischen Flötentöne z.B. im Progressive Rock von Jethro Tull. Um herauszufinden, ob er sich vorstellen kann, Musik zu studieren schrieb Camilo sich in einer bekannten Musikschule in Bogotá ein…. und siehe da, er fand Gefallen an der Musik und besonders an der Flöte. An der “Universidad de los Andes”, die bekannteste Privatuniversität Kolumbiens, schloss der Flötist ein paar Jahre später sein klassisches Musikstudium ab.

Heute spielt Camilo nicht nur diverse Flöten, Klarinette und Melodica, ebenso singt und textet er für Monsieur Periné. Viele Lieder handeln von Liebe, aber noch mehr von Liebeskummer. “Ja, wir haben das alle durchlebt und teilweise durchleben wir diese Situationen immer noch! Also, ich nicht mehr!” verschmitzt sieht er zu seiner Freundin herüber, die ihn für 4 Wochen einen Teil der Tour begleitet.

Monsieur Periné steht für Leidenschaft, Herzblut, Charakter und Innovation! Ihre Musik kommt von Herzen und von diesem werden sie sich auch in Zukunft leiten lassen. Innovation beweisen die sieben Bandmitglieder nicht nur in der Fusion ihrer Musik, sondern auch mit ihren Bühnenoutfits. “Unsere Outfits spiegeln unsere Musik wieder: bunt und schrill! Das Publikum hört nicht nur – sie schauen auch und deshalb ist das Visuelle fast genauso wichtig wie die Musik.” erzählt Camilo während wir uns endlich auf den Weg zum Taxi machen. Camilo pfeift und singt laut vor sich hin – das macht er, wenn er glücklich ist!

 

 

 

1 Comments

Martha Alvarez
Super !!!!!

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